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Der Roraima in der Gran Sabana

Inmitten der Gran Sabana – der Roraima Tafelberg

Wie gemalt erscheint die grandiose Urlandschaft der Gran Sabana im Südosten Venezuelas. Die auf einer Höhe von 900 bis 1200 m gelegene Hochebene, die Teil des Berglandes von Guyana ist, ist gekennzeichnet durch eine riesige baumlose Steppe, aus der gewaltige, fast senkrecht sich gegen den Himmel stemmende Tafelberge hervorragen. Von diesen zyklopenhaft anmutenden Steinformationen stürzen während der Regenzeit spektakuläre Wasserfälle in die Tiefe und bieten ein einmaliges Naturszenario.

Erste Etappe: Besteigung des Mount Roraima

Flussdurchquerung beim Roraima Trekking

Roraima Tour in Venezuela

Geheimnisvoll umhüllt ein dicker Nebelteppich die steilen Felswände des Mount Roraima, der mit einer Höhe von 2.810 m der höchste der 115 Tafelberge der Gran Sabana ist. Der pfeifende Wind, der über die überdimensionale Zinne hinwegfegt, klingt nach gefährlichem Fauchen, das Klatschen des heftigen Regengusses auf die Steine sowie das Herabfallen von Geröll lassen das Stampfen eines mächtigen Ungeheuers vermuten. Der Dinosaurier lebt!, ist sich der exzentrische Professor Challenger, eine Figur aus dem Roman „The lost World“ von Arthur Conan Doyle, seiner Sache sicher und widerspricht damit der gängigen Theorie, alle Tiere der Vorzeit seien längst ausgestorben.

Doch nicht nur Schriftsteller sind von der Ursprünglichkeit der durch Erosion entstandenen Tafelberge fasziniert, sondern auch Naturwissenschaftler und Abenteurer wie die Rucksacktouristen Tim und Peter, die wir auf ihrer Reise durch die Gran Sabana begleiten. Im Moment scheppern die beiden mit einem Jeep über einen leicht hügeligen Schotterweg in Richtung des Indianerdorfes Paraitepuy. Dort wollen sie sich um einen Tourenführer bemühen, der sie auf den Mount Roraima geleitet.

Am Abend erreichen Tim und Peter ihr Ziel und schlagen für die erste Nacht ein Zelt an einem kleinen Fluss auf. Zuvor hatte sie der Dorfvorstand begrüßt und ihnen einen Reiseleiter zugeteilt.

Der nächste Tag beginnt mit einem atemberaubenden Sonnenaufgang, der die Tafelberge in goldgelb glänzendes Licht taucht. Die riesigen Erhebungen strahlen eine majestätische und scheinbar unbezwingbare Aura aus, weshalb es nicht verwundert, dass sie die in der Gran Sabana beheimateten Pemón-Indianer ehrfurchtsvoll „Tepuí“ – „Häuser der Götter“ – nennen.

Die ersten drei Stunden des Ausflugs zum Mount Roraima stellen für die beiden Weltenbummler und ihren Führer namens Akule keine große Herausforderung dar. Der Weg führt durch nassfeuchtes Gebiet und gelegentlich sind einige Bäche zu überspringen. Problematischer wird es dann beim Erreichen des Rios Cuquenám, dessen gemächlicher Flusslauf sich nach heftigen Regengüssen in eine ungestüme Strömung verwandelt. Doch Akule weiß um die beste Stelle zum Überqueren des Hindernisses.

Der eigentliche Aufstieg auf den Roraima-Tepuí, der etwa vier bis fünf Stunden beansprucht, beginnt am „campaneto abajo“, einer sehr schönen flachen Wiese, durch die zwei klare Bäche fließen. Hier endet für Tim, Peter und ihren Tourenguide die erste Etappe ihres für den nächsten Tag geplanten Aufstiegs auf den Tafelberg.

Zwischenstopp: Ein Ausflug in die Welt der Pemón-Indianer

Besteigung des Roraima

Unterwegs auf den Roraima

Eindrucksvoll schimmert die gewaltige Roraima-Wand in der Abendsonne, während Tim und Peter auf der Campplatz-Wiese zu Füßen des Tafelberges sitzen und gespannt den Worten ihres Reiseführers Akule lauschen, der über das Leben seines Stammes erzählt.

„Wir brauchen nicht viel und haben dennoch alles in Hülle und Fülle“, sagt der Pemón-Indianer und deutet auf eine Echse, die in dem Moment in einigen Metern Entfernung vorbeihuscht und hinter einem Geröll von Steinen verschwindet. „Die Natur beschenkt uns überschwänglich. Doch leider ist es uns nicht mehr wie unseren Vorfahren vergönnt, mit ihr in Harmonie leben zu können“, fügt er wehmütig hinzu.

In Venezuela leben heute noch rund 20.000 Pemón-Indianer, die die Zivilisation immer weiter zurückgedrängt hat. Wertvolle Bodenschätze in der Gran Sabana zogen zahlreiche Goldgräber an wie Jimmy Angel, der dort 1937 den nach ihm benannten „Salto Angel“ entdeckte. Mit rund 1.000 m Tiefe gilt dieser als der höchste Wasserfall der Welt. Auch große Eisenerz-Bohrfirmen machten sich in dem Gebiet breit, beuteten es rücksichtslos aus und nahmen auf die natürliche Lebensweise des indigenen Indio-Stammes keine Rücksicht.

Dennoch halten die Pemón-Indianer weiterhin an ihrer Kultur fest. Sie leben von der Jagd, dem Ackerbau und der Viehzucht, wohnen in einfachen, selbst gebauten Rundbauten aus Lehm, die mit Palmblättern bedeckt sind, und huldigen trotz aller missionarischer Christianisierungsversuche ihrer eigenen Götterwelt.

Doch es gelang den Pemón-Indianern nicht, sich völlig den Fremdeinflüssen zu entziehen, weshalb ihr Alltag aus einem Kompromiss zwischen traditionellen und modernen Lebensweisen besteht. So nutzen sie beispielsweise ihr handwerkliches Geschick zur Herstellung von Souvenirs, die sie Touristen zum Kauf anbieten. Oder sie stehen Reisenden aufgrund ihrer guten Ortskenntnisse als Führer zur Verfügung – wie Akule den Freunden Tim und Peter, die sich nun zum Schlafen zurückziehen, um am nächsten Tag für den großen Aufstieg auf den Roraima-Tepuí fit zu sein.

Der große Moment: Auf dem Plateau des Roraima-Tepuís

Plateau des Roarima Tafelbergs

Auf der Spitze des Roraima

Unerbittlich geht es unter Bäumen, über Felsen, entlang von Bächen aufwärts. Zwischendurch stöhnt Peter unter der Last seines Rucksacks, aber sein Kumpel Tim kennt kein Pardon und treibt ihn an. Jedoch kann ihn sein Freund nicht hören, da ein eiskalter Katarakt direkt neben ihm tosend in die Tiefe prasselt. Schließlich trennt nur noch ein letzter felsiger Abschnitt die Abenteurer vom Gipfel.

Als Tim und Peter endlich auf der circa 45 qkm großen Oberfläche des Roraima-Tepuís stehen, sind sie überglücklich. Auch wenn eine dichte Wolkendecke den Blick über das weite Land der Gran Sabana versperrt – die Chance auf eine klare Sicht besteht am ehesten in den frühen Morgenstunden -, sind die beiden begeistert von der einzigartigen Flora und Fauna auf dem Tafelberg, die an längst untergegangene Urzeiten erinnern.

Zwischen bizarren Steingebilden wachsen fleischfressende Pflanzen, Moose, Flechten und verschiedene Orchideen, in denen sich Insekten, Lurche, Schlangen und andere Reptilien wohlfühlen. „Gut 80 Prozent der Tier- und Pflanzenwelt, die Ihr hier seht“, sagt Akule, „gibt es nirgendwo anders auf der Welt. Man spricht von endemischen Organismen. Ursache hierfür ist die natürliche Isolation des Plateaus durch einerseits die unüberwindbare hohe Steilwand und andererseits durch den Klimaunterschied zwischen dem feucht-tropischen Regenwald und den durchschnittlich eher gemäßigten Wetterverhältnissen hier oben. Folgt mir jetzt bitte an die nördliche Seite des Roraima-Tepuís. Dort gibt es etwas Sensationelles zu bestaunen.“

Neugierig gehen Tim und Peter ihrem Reiseleiter hinterher. Nachdem sie einen flachen, märchenhaft schillernden See passiert haben, erreichen sie das „Tal der Kristalle“. Hierbei handelt es sich um einen kleinen Canyon aus rosafarbenen und weißen Bergkristallen. „Nein, das ist noch nicht der Höhepunkt“, meint Akule, „ich will Euch das legendäre Gran Labirinto Del Norte zeigen, ein bis zu 50 m tiefes Höhlenwirrwarr, in dem die Felsspalten versumpft und mit Morast überzogen sind – ursprünglicher dürfte wohl nur noch die Mondlandschaft sein.“

Die Gran Sabana: Ein unvergessliches Erlebnis
Viel zu schnell ist für Tim und Peter der Venezuela Urlaub zu Ende gegangen, und nun befinden sie sich wieder auf dem Heimflug nach Europa. Ihre Erlebnisse in dem unglaublich facettenreichen und faszinierenden Land haben sie tief beeindruckt. Insbesondere ein Satz, den Akule zu ihnen beim Abschied gesagt hatte, hat sich in ihr Herz eingeprägt: „Die Gran Sabana ist ein gutes Beispiel dafür, dass nicht die Suche nach Gold glücklich macht, sondern die Liebe zur Natur.“

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